Storytelling – Wie Content Marketing Geschichte schreibt

„Es war einmal ein…“ So leiteten der Grimm Jacob und der Grimm Wilhelm jeweils ihre legendären Geschichten ein. Wir alle kennen sie, diese Floskel am Anfang jedes Märchens erinnern uns daran, wie wir, in den Bann gezogen von einer Fabelwelt und mit grossen Augen, gespannt auf den Ausgang der Erzählung warteten. Entsprechend sind wir bis heute mit den Personen jener Märchen vertraut und können nach wie vor deren Content grösstenteils wiedergeben. Etwa eine marketingtechnische Meisterleistung?

Analog versuchen heute Marken jene Lücken zu schliessen, derer Füllung die Märchen aus der Neuzeit als Genugtuung nicht gewachsen sind. Sie erzählen uns Geschichten und nehmen dank der extrem vernetzten Welt in unserem täglichen Leben einen Platz in der ersten Reihe ein.

Der Beginn einer (Liebes-)Geschichte 

Das Märchen zwischen der Technologie und dem Content Marketing könnte in etwa so anfangen:

„Es war einmal ein Mensch, der hatte einen Computer, der war so gross, dass der Mensch selber fast gar keinen Platz im Zimmer mehr fand. Es hätte keinen Sinn gemacht ihm Werbung oder sonst was auf seinen Computer zu schicken, denn das ging da nämlich noch gar nicht und der Mensch hat den Computer auch gar nicht nur so zum Spass benutzt, sondern der hat für ihn wichtige Sachen ausgerechnet.“

Zur Freude des Marketings jedoch tragen wir heute alle ein kleines Gerät mit uns herum, dessen Leistung diejenige des Ur-Computers um Längen übertrifft, schauen x mal täglich drauf, notieren uns überlebenswichtige Notizen, fotografieren einzigartige Augenblicke und verfolgen das internationale Geschehen wie nie zuvor.

Diesen Fact haben sich die Content Marketers zunutze gemacht und versuchen durch globale Kampagnen und mittels Omnipräzenz in unserem Alltag vermehrt direkten Einfluss darauf zu nehmen.

Und wo kam Storytelling ins Spiel?

Wie sich gezeigt hat, vertrauen nur wenige Leute dem, was uns die Werbung am TV oder die Unternehmen in ihren Anzeigen erzählen. Laut dem meinungsforschenden Yankelovich Daniel bezichtigen 75% der Leute die Unternehmen sogar der Lüge, wenn es um Advertising geht. Gemäss einer anderen Studie von Econsultancy heisst es nämlich, dass sich die Leute zu 90% auf die Meinungen von Familie, Freunden und Bekannten verlassen. Ausserdem glauben sie zu 70% anderen Usern. Das Schlusslicht in dieser Kategorie sind die Promis, denen lediglich 8% ihren Glauben schenken. Angesichts dieser Tatsache zählt es viel mehr, was ein ganz normaler 0815–Bürger über etwas sagt, was dieser damit macht und was er davon hält. Et voilà, willkommen in der Geburtsstunde des Storytellyings!

Anstatt in der Werbung direkt auf ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung einzugehen, stehen beim Storytelling Personen im Vordergrund, die in ihrer Geschichte bewusst oder zum Teil auch nur so nebenbei Bezug auf den anzupreisenden Artikel nehmen.

Film ab!

So erzählte uns im August der für die Chicago Bulls basketballspielende Rose Derrick in einem 5–Teiler auf YouTube von seinem Kreuzbandriss und dem knüppelharten Aufbautraining dannach, gekleidet in Adidas–Shirt, –Socken und –Schuhe.

Anfang dieses Jahres reiste der produzierende Neistat Casey, „entgegen“ dem eigentlichen Auftrag von Nike, nur mit einer Kamara, seinem Freund Max und einem „We’re definitely gonna make this count!“ im Sack, in 10 Tagen um die Welt.

Noch viraler verbeitete sich die Eilmeldung im März, wie der ugandische Kriegsverbrecher Kony Joseph endlich gefasst werden könne, dank dem erklärenden Russell Jason und seinem kleinen Sohn.

Etwa noch mehr Beispiele?!

Die Finger von dem ganzen Geschichtenerzählen konnte auch Facebook nicht lassen. Anstatt jedoch selbst Hand anzulegen, lassen sie auf Facebookstories von Zeit zu Zeit einer ihrer nicht gerade wenigen Nutzern seine bzw. ihre ganz persönliche Geschichte, natürlich mit Bezug auf das soziale Netzwerk, erzählen.

Zu guter Letzt hat uns doch alle auch die Geschichte vom mutigen Baumgartner Felix gepackt, wie der da von ganz weit oben so rasend schnell wieder hinutergesaust ist und wie er jedem von uns ein für alle Mal bewiesen hat, dass RedBull doch gar keine Flügel verleit. Denn unterm Strich ist und bleibt auch diese Story nur ein weiteres Werbemärchen des Content Marketings.

Und so lebten sie alle vergnügt bis an ihr Ende.

Dies ist ein studentischer Beitrag von Dembah Fofanah (@dfofan), den er im Rahmen der Vorlesung “Online Marketing” verfasst hat. Dembah Fofanah studiert an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.

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3 comments on “Storytelling – Wie Content Marketing Geschichte schreibt
  1. Natalie says:

    Cooler Vergleich mit dem Märchen 🙂
    Ausserdem laden die Untertitel richtig zum Lesen ein. Kurz und knapp viel Inhalt gebracht – super gemacht!

  2. Pinar says:

    Der Vergleich mit dem Märchen gefällt mir auch.;) echt cool..weiter so..

  3. Konstantin says:

    Wie Schnell aus dem “Märchen” Realität wird, zeigt sich in den Köpfen der Konsumenten. Denn offensichtlich nicht wenige, glauben noch an Märchen…
    Schön erzählt!

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